Hochschule
für bildende Künste, Dresden, 1992 –
1994
Auftragsvolumen:
|
|
3.580 TEUR brutto |
 |
Auftraggeber:
|
|
Staatliches Vermögens- und Hochbauamt
Dresden II |
Planung: |
|
IPRO Dresden, Architekten- und Ingenieurgesellschaft
mbH, Dresden |
Beratung: |
|
Baugrund Dresden, Ingenieurgesellschaft
mbH, Dresden |

Blick auf das Gebäude |
Eckdaten:
1.046
|
|
Stück |
HDI- Säulen |
4.850
|
|
m3 |
saniertes Fundamentvolumen |
Die Hochschule für Bildende Künste ist ein
bestimmender Teil der weltberühmten Silhouette
der Dresdner Altstadt, vor allem durch die Wirkung der
Kuppel, die von den Dresdnern liebevoll als „Zitronenpresse“
bezeichnet wird.
Berühmte Künstler haben die Ausbildungsstätte
besucht. Das Gebäude stammt aus klassizistischer
Zeit, wurde zwischen 1891 und 1894 nach Entwürfen
des Architekten Constantin Lipsius im Stil des Historismus
und Eklektizismus erbaut, so mancher Baustil vorangegangener
Zeit findet sich in diesem Bauwerk.
Setzungsschäden
1991 traf das Staatshochbauamt Dresden II die Entscheidung
für die Sanierung des Gebäudes. In der Bauzustandsanalyse
des Ingenieurbüros IPRO Dresden wurden erhebliche
Risse im Gebäude festgestellt, die nicht allein
durch die Bombardierung am 13./14. Februar 1945 verursacht
sein konnten.
Der Baugrundgutachter konnte durch Kernbohrungen nachweisen,
dass der Gründungskörper „Kalkbeton“
vor allem im unteren Bereich stark entfestigt war. Die
Ursache dafür ist die Wasserlöslichkeit des
Anteiles Gips im Kalk, beschleunigt durch die heutigen
Grundwasserkontaminationen.
Probleme der Gründung
Wie damals üblich, wurden die tragenden Fundamente
im Elbkies gegründet. Da für den Endzustand
das Gelände um rund 3 Meter höher geplant
war, ergab sich folgender Fundamentaufbau ab derzeitiger
Geländeoberkante: bis -3 m Sandsteinfundamente,
bis -8 m Kalkbetonfundamente, darunter Elbkies.
Die Sandsteinfundamente sind durch Gewölbebögen
miteinander verbunden. Die Kalkbetonfundamente wurden
in offener Baugrube geschalt hergestellt und bestehen
aus einer vor Ort hergestellten Mischung aus einem Teil
Settenzer Kalk, zwei Teilen Elbkies und drei Teilen
Sandsteinknack (bis faustgroßer Sandstein- und
Ziegelschutt).
Sanierung der Gründung
Im Rahmen eines Wettbewerbes waren sechs Firmen aufgefordert,
jeweils ein bestimmtes Fundament dauerhaft zu sanieren.
Die SPESA Spezialbau und Sanierung führte zwei
Lösungsvarianten –Hochdruckinjektion HDI
und Stabverpresspfahl vorgespannt SVV- erfolgreich aus.
Auf Grund der äußerst beengten örtlichen
Verhältnisse war aber eine symmetrische Anordnung
der Pfähle unter den intakten Sandsteinfundamenten
–eine Grundvoraussetzung für das Verfahren
SVV- nicht möglich. Diese Technik konnte also trotz
des erfolgreichen Tests nicht angewendet werden. Man
entschied sich für die Hochdruckinjektion.
Konzept der Hochdruckinjektion
Beim Hochdruckinjektionsverfahren wird ein Bohrgestänge
von 10 cm Durchmesser mit einer Bohrkrone von 15 cm
Durchmesser in den Boden gebohrt. Am inneren hohlen
Bohrgestänge ist im unteren Bereich eine Düse
angebracht, durch die Zementsuspension oder Wasser unter
einem Druck von bis zu 500 bar gepumpt wird. Der so
erzeugt Hochdruckstrahl besitzt so viel Energie, dass
der Boden aufgeschnitten wird.
Bei gleichzeitigem Drehen und Ziehen des Bohrgestänges
entsteht ein zylindrischer Raum, der mit einem Gemisch
aus Boden, Zement und Wasser gefüllt wird, der
Durchmesser ist von der Festigkeit des Bodens abhängig.
Durch den Zementanteil härtet das Gemisch aus,
eine HDI-Säule ist entstanden.
Da in den Boden mehr Flüssigkeit eingebracht wird,
als dieser aufnehmen kann, fließt zwischen Bohrlochwandung
und Bohrgestänge das überschüssige Gemisch
wieder an der Geländeoberfläche aus. Das Überschussmaterial
wird wieder gefasst und entsorgt. Für das Verfahren
besitzt Bauer Spezialtiefbau eine Zulassung vom Institut
für Bautechnik in Berlin, unter Nr. z-34.4-2.
Die Herstellung der HDI-Säulen ist auch unter
beengten Verhältnissen möglich. Auch bei nur
einseitig zugänglichen Fundamenten kann die Anordnung
der HDI-Säulen entsprechend angepasst werden. Die
HDI-Säulen wurden entsprechend den statischen Erfordernissen
und der Örtlichkeit anhand von Bestandsplänen
angeordnet. Die SPESA erhielt mit dieser Variante den
Auftrag zur Gründungssanierung, die dann gemeinsam
mit dem Technischen Dienst der Bauer Spezialtiefbau
GmbH ausgeführt wurde.
bei laufendem Betrieb
Der Hochschulbetrieb sollte während der Ausführung
aufrecht erhalten werden. Die für die HDI-Arbeiten
benötigten Räume wurden teilweise geräumt
und nach der Bauausführung sofort wieder provisorisch
nutzbar gemacht. Es musste also möglichst sauber
und staubfrei gearbeitet werden; das angefallene Überschussmaterial
wurde an der Baustelle abgesaugt, in Container geleitet
und entsorgt.
Entsprechend den räumlichen Möglichkeiten
wurden drei Gerätetypen, u.a. ein Bauer-Leichtbohrgerät
LBG 20 eingesetzt.
Die HDI-Säulen wurden mit dem besonders verträglichen
Zement PZ 35 FHS hergestellt, um keine Reaktionen mit
alten Mörteln, wie z.B. Gipstreiben zu verursachen.
Angewendet wurde das HDI-Verfahren WB, d.h. mit Wasserhochdruck
vorschneiden und mit Bindemittel (Zementsuspension)
Niederdruck auffüllen. Die variablen Parameter
Säulengänge, Herstellzeit, Druck und Menge
wurden laufend aufgezeichnet.
Die Säulendurchmesser betrugen 0,90 bis 1,50 m.
Die fertiggestellten HDI-Säulen übertragen
durch ihre Anordnung die Gebäudelasten über
das Sandsteinfundament direkt in den tragfähigen
Elbkies. Somit wird der Kalkbeton als wesentliches tragendes
Element nicht mehr benötigt.
|